DHd Pre-Konferenz-Workshop zum wissenschaftlichen Bloggen

DHd Konferenz 2014Dieser Workshop hat für mich vor allem eines verändert: Den Blick auf das wissenschaftliche Bloggen als standardisierte und etablierte forschungsbegleitende Maßnahme. Ja, ich war mir schon bewusst, dass längst noch nicht alle Wissenschaftler bloggen, aber ich hätte doch gedacht, dass zumindst viele im Rahmen von Veranstaltungswebseiten oder Ähnlichem das Bloggen bereits erlernt hätten. So war ich dann auch gar nicht darauf eingestellt, dass dieser Workshop eher eine intensive Hands-on Session zum Thema WordPress sein würde als ein Austausch über Erfahrungen mit dem wissenschaftlichen Bloggen. Nur zu Beginn ging es darum, Blogprojekte von de.Hypothesis.org vorzustellen und Vor- und Nachteile des Bloggens innerhalb der bestehenden wissenschaftlichen Community abzuwägen. So wurden die Teilnehmer am Ende mit vielen erleichterten A-has über die Einfachheit der Technik und einem großen Fragezeichen bezüglich der Gestaltung der Inhalte zurückgelassen.

DHd Konferenz 2014Dieser Workshop hat für mich vor allem eines verändert: Den Blick auf das wissenschaftliche Bloggen als standardisierte und etablierte forschungsbegleitende Maßnahme. Ja, ich war mir schon bewusst, dass längst noch nicht alle Wissenschaftler bloggen, aber ich hätte doch gedacht, dass zumindst viele im Rahmen von Veranstaltungswebseiten oder Ähnlichem das Bloggen bereits erlernt hätten. So war ich dann auch gar nicht darauf eingestellt, dass dieser Workshop eher eine intensive Hands-on Session zum Thema WordPress sein würde als ein Austausch über Erfahrungen mit dem wissenschaftlichen Bloggen. Nur zu Beginn ging es darum, Blogprojekte von de.Hypothesis.org vorzustellen und Vor- und Nachteile des Bloggens innerhalb der bestehenden wissenschaftlichen Community abzuwägen. So wurden die Teilnehmer am Ende mit vielen erleichterten A-has über die Einfachheit der Technik und einem großen Fragezeichen bezüglich der Gestaltung der Inhalte zurückgelassen.

Hypothesis.org or not Hypothesis.org – that is my question

Manchmal ist bei sehr praxisorientierten Workshops eine einzelne Zwischenbemerkung am Ende das, was einen besonders zum Nachdenken anregt. Für mich war das beim DHd Pre-Konferenz Workshop zum Thema wissenschaftliches Bloggen das Aufblitzen einer Anekdote, die zeigte, das mehrere der bereits bloggenden Teilnehmer schon mit harscher Kritik eines Kollegen zum Stil ihrer Posts umgehen mussten. Diese Erfahrung stand der Ermunterung von Workshopleiter Sascha Foerster, dass vor allem Nachwuchswissenschaftler bloggen sollten, um sichtbar zu werden nicht gerade zur Seite.

Bloggen in einer Community

Bloggen ist eine schnelle Veröffentlichungsform, die dem informellen Stil und kurzen Texten zuspricht. Besonders beliebt sind bei Bloglesern bezeichnender Weise Listen und erweiterte Listen, bei denen jede Zwischenüberschrift eigentlich nur kurz kommentiert wird. Am Anfang jedes Artikels sollte ein Abstract stehen, der eigentlich schon alles sagt, was im Post vorkommt, damit die tldr-Taktik (to long, didn’t read) möglich wird. Und doch scheint die Blogosphäre längst nicht immer ein Ort zum Austoben und Erproben eigener Ideen zu sein. So sieht es dann in der Praxis doch wieder so aus, dass der allein bloggende Wissenschaftler Tage und mitunter gar Wochen vor seinem Text sitzt, um diesen zu perfektionieren, anstatt seine Ideen so schnell wie möglich „rauszuhauen“, bevor es ein anderer tut oder sie schon wieder überholt sind. Erfahrungen mit überkritischen Kollegen unterstützen diese Arbeitsweise und führen dazu, dass das auf den ersten Blick so unbeschwert wirkende Medium inzwischen von ungeschriebenen Regeln beherrscht wird. Als Nachwuchswissenschaftler stellt sich neben allen theoretischen Vor- und Nachteilen – die hier auch noch thematisiert werden – die ganz praktische Frage, ob man in einer Community bloggen möchte, in der einem Konventionalisierung droht und man automatisch beginnt, sich selbst vielleicht manchmal zu stark zu kontrollieren.

All by myself

In einem selbst und allein gehosteten Blog kann einem so etwas nicht so schnell passieren. Das liegt leider nicht zuletzt daran, dass solche Blogs vor allem am Anfang sehr wenig Leser finden. Das kann allerdings auch prima sein. Man bloggt so vor sich hin, findet in aller Ruhe einen eigenen Stil und wenn man ihn dann hat, kommen nach und nach die wirklich interessierten Leser oder solche, die durch Empfehlungen aufmerksam werden, zu einem. Dadurch wird man in der Community zwar immernoch nicht sichtbar, bewahrt sich aber die Freiheit des eigenen Stils so weit wie möglich.

Natürlich bedeutet die Freiheit des eigenen Hostings noch viel mehr – eigene Plugins können frei installiert und bei Nichtgefallen ersetzt werden, man kann frei aus dem Themenfundus wählen und selbst das CSS anpassen – aber in meinen Augen sind das reine Schönheitsoptionen und für den eigentlichen Blog sind sie eher nebensächlich. Und so kommt man schnell ans Ende der Vorteile des „freien“ Bloggens. Das Konzept von Hypothesis.org ist ja schließlich nicht nur, eine kritische Form der Selbstkontrolle hervorzurufen, sondern eher gegenseitige Beflügelung durch Austausch von Gleichgesinnten. Die Plattform ermöglicht Lesern, eine Übersicht über wissenschaftliche Blogs zu bekommen und Bloggern, sich mit anderen Schreibenden aus dem eigenen Interessengebiet zu vernetzen. Wie überall in der Blogosphäre wird Nettiquette großegeschrieben und harsche Kritik bleibt wohl eine Ausnahme – wenn auch, wie es scheint, eine die dem Einzelnen noch lange nachhängen kann.

Ein Schritt in Richtung Zukunft

Im überindividuellen Kontext fördert Hypothesis.org in erster Linie neue Veröffentlichungsformen des wissenschaftlichen Schreibens. Für jeden Blog, der sich durch Regelmäßigkeit bewährt hat, wird eine ISSN angefordert. Damit ist er eindeutig identifizierbar und somit zitierfähig. Damit ist dann auch gleichzeitig jeder Blogartikel eine Veröffentlichung, die von anderen Wissenschaftlern nachgenutzt werden kann. Für mich ist dies ein entscheidender Schritt zur Anerkennung der Arbeit des einzelnen Bloggers aber auch zum Bloggen als wissenschaftliche Kulturtechnik allgemein.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Hypothesis.org auch eine Serviceinfrastruktur anbietet, die von technischem Support bis hin zu Marketingstrategien reicht. Jeder regelmäßig veröffentlichende Blog wird betwittert und auf Facebook beworben, besonders gute Beiträge werden auf der eigenen Startseite gefeatured und regelmäßig werden Awards von Redaktion und Lesern vergeben. So kann man sich darauf einstellen, dass sich bereits recht früh regelmäßige Leserzahlen von rund 100 / Tag einstellen.

Hypothesis.org ersetzt den eigenen Blog nicht und anders herum

So bin ich in der kurzen Zeit, in der über solche und ähnliche theoretische Aspekte wissenschaftlichen Bloggens gesprochen wurde, zu dem Schluss gekommen, dass es kein entweder – oder zwischen Hypothesis.org und dem eigenen Blog gibt. Der eigene Blog ist die persönlichere Form der Homepage und bietet Raum für allerlei formelle und informelle Standpunktvertretung. Ein Hypothesis.org-Blog braucht in meinen Augen ein etwas klareres Konzept. Ein spezielles Thema, das einem besonders am Herzen liegt, kann ein solches vorgeben oder die systematische (Zwischen-)Publikation von Rechercheergebnissen. In meinem ganz persönlichen Fall könnte das bedeuten, dass dieser persönliche Blog hier mein Raum für Kommentare und subjektive Eindrücke wird, während alles, was ich als Zwischenstand meiner PhD Arbeit bereits verschriftlichen möchte auf einem Hypothesis.org-Blog besser aufgehoben wäre. Fest steht für mich aber auch, dass ein solcher erst dann eingereicht werden sollte, wenn ein Konzept aufgestellt und die ersten, laut Sascha Foerster für die Beurteilung des Blogs als zuverlässig entscheidenden, 5-10 Artikel bereits geschrieben sind.Hypothesis.org or not Hypothesis.org – that is my question

Manchmal ist bei sehr praxisorientierten Workshops eine einzelne Zwischenbemerkung am Ende das, was einen besonders zum Nachdenken anregt. Für mich war das beim DHd Pre-Konferenz Workshop zum Thema wissenschaftliches Bloggen das Aufblitzen einer Anekdote, die zeigte, das mehrere der bereits bloggenden Teilnehmer schon mit harscher Kritik eines Kollegen zum Stil ihrer Posts umgehen mussten. Diese Erfahrung stand der Ermunterung von Workshopleiter Sascha Foerster, dass vor allem Nachwuchswissenschaftler bloggen sollten, um sichtbar zu werden nicht gerade zur Seite.

Bloggen in einer Community

Bloggen ist eine schnelle Veröffentlichungsform, die dem informellen Stil und kurzen Texten zuspricht. Besonders beliebt sind bei Bloglesern bezeichnender Weise Listen und erweiterte Listen, bei denen jede Zwischenüberschrift eigentlich nur kurz kommentiert wird. Am Anfang jedes Artikels sollte ein Abstract stehen, der eigentlich schon alles sagt, was im Post vorkommt, damit die tldr-Taktik (to long, didn’t read) möglich wird. Und doch scheint die Blogosphäre längst nicht immer ein Ort zum Austoben und Erproben eigener Ideen zu sein. So sieht es dann in der Praxis doch wieder so aus, dass der allein bloggende Wissenschaftler Tage und mitunter gar Wochen vor seinem Text sitzt, um diesen zu perfektionieren, anstatt seine Ideen so schnell wie möglich „rauszuhauen“, bevor es ein anderer tut oder sie schon wieder überholt sind. Erfahrungen mit überkritischen Kollegen unterstützen diese Arbeitsweise und führen dazu, dass das auf den ersten Blick so unbeschwert wirkende Medium inzwischen von ungeschriebenen Regeln beherrscht wird. Als Nachwuchswissenschaftler stellt sich neben allen theoretischen Vor- und Nachteilen – die hier auch noch thematisiert werden – die ganz praktische Frage, ob man in einer Community bloggen möchte, in der einem Konventionalisierung droht und man automatisch beginnt, sich selbst vielleicht manchmal zu stark zu kontrollieren.

All by myself

In einem selbst und allein gehosteten Blog kann einem so etwas nicht so schnell passieren. Das liegt leider nicht zuletzt daran, dass solche Blogs vor allem am Anfang sehr wenig Leser finden. Das kann allerdings auch prima sein. Man bloggt so vor sich hin, findet in aller Ruhe einen eigenen Stil und wenn man ihn dann hat, kommen nach und nach die wirklich interessierten Leser oder solche, die durch Empfehlungen aufmerksam werden, zu einem. Dadurch wird man in der Community zwar immernoch nicht sichtbar, bewahrt sich aber die Freiheit des eigenen Stils so weit wie möglich.

Natürlich bedeutet die Freiheit des eigenen Hostings noch viel mehr – eigene Plugins können frei installiert und bei Nichtgefallen ersetzt werden, man kann frei aus dem Themenfundus wählen und selbst das CSS anpassen – aber in meinen Augen sind das reine Schönheitsoptionen und für den eigentlichen Blog sind sie eher nebensächlich. Und so kommt man schnell ans Ende der Vorteile des „freien“ Bloggens. Das Konzept von Hypothesis.org ist ja schließlich nicht nur, eine kritische Form der Selbstkontrolle hervorzurufen, sondern eher gegenseitige Beflügelung durch Austausch von Gleichgesinnten. Die Plattform ermöglicht Lesern, eine Übersicht über wissenschaftliche Blogs zu bekommen und Bloggern, sich mit anderen Schreibenden aus dem eigenen Interessengebiet zu vernetzen. Wie überall in der Blogosphäre wird Nettiquette großegeschrieben und harsche Kritik bleibt wohl eine Ausnahme – wenn auch, wie es scheint, eine die dem Einzelnen noch lange nachhängen kann.

Ein Schritt in Richtung Zukunft

Im überindividuellen Kontext fördert Hypothesis.org in erster Linie neue Veröffentlichungsformen des wissenschaftlichen Schreibens. Für jeden Blog, der sich durch Regelmäßigkeit bewährt hat, wird eine ISSN angefordert. Damit ist er eindeutig identifizierbar und somit zitierfähig. Damit ist dann auch gleichzeitig jeder Blogartikel eine Veröffentlichung, die von anderen Wissenschaftlern nachgenutzt werden kann. Für mich ist dies ein entscheidender Schritt zur Anerkennung der Arbeit des einzelnen Bloggers aber auch zum Bloggen als wissenschaftliche Kulturtechnik allgemein.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Hypothesis.org auch eine Serviceinfrastruktur anbietet, die von technischem Support bis hin zu Marketingstrategien reicht. Jeder regelmäßig veröffentlichende Blog wird betwittert und auf Facebook beworben, besonders gute Beiträge werden auf der eigenen Startseite gefeatured und regelmäßig werden Awards von Redaktion und Lesern vergeben. So kann man sich darauf einstellen, dass sich bereits recht früh regelmäßige Leserzahlen von rund 100 / Tag einstellen.

Hypothesis.org ersetzt den eigenen Blog nicht und anders herum

So bin ich in der kurzen Zeit, in der über solche und ähnliche theoretische Aspekte wissenschaftlichen Bloggens gesprochen wurde, zu dem Schluss gekommen, dass es kein entweder – oder zwischen Hypothesis.org und dem eigenen Blog gibt. Der eigene Blog ist die persönlichere Form der Homepage und bietet Raum für allerlei formelle und informelle Standpunktvertretung. Ein Hypothesis.org-Blog braucht in meinen Augen ein etwas klareres Konzept. Ein spezielles Thema, das einem besonders am Herzen liegt, kann ein solches vorgeben oder die systematische (Zwischen-)Publikation von Rechercheergebnissen. In meinem ganz persönlichen Fall könnte das bedeuten, dass dieser persönliche Blog hier mein Raum für Kommentare und subjektive Eindrücke wird, während alles, was ich als Zwischenstand meiner PhD Arbeit bereits verschriftlichen möchte auf einem Hypothesis.org-Blog besser aufgehoben wäre. Fest steht für mich aber auch, dass ein solcher erst dann eingereicht werden sollte, wenn ein Konzept aufgestellt und die ersten, laut Sascha Foerster für die Beurteilung des Blogs als zuverlässig entscheidenden, 5-10 Artikel bereits geschrieben sind.

2 Gedanken zu „DHd Pre-Konferenz-Workshop zum wissenschaftlichen Bloggen

  1. Schade, dass der Workshop so ‚basic‘ gewesen ist – die von Dir angesprochenen konzeptionellenThemen sind viel spannender. Wenn Blogs genauso aktuell wie qualitativ konsistent sein wollen, stellt sich die Frage, ob man sie nicht eigentlich als ein journalistisches Genre ansehen sollte und weniger als öffentliche Selbstäusserung.

  2. Oh ja, das ist eine interessante Frage. Ich denke, dass hier auch gerade ein gesellschaftlicher Wandel vor sich geht – gerade vor kurzem wurden die ersten beiden Blogger als Journalisten im Bundestag zugelassen. Von meinem Literaturblog weiß ich, dass z.B. Verlage und Literaturagenturen Blogger in ihre Presseverteiler aufnehmen und Pressemitteilungen oder Veranstaltungseinladungen versenden. Viele Blogger recherchieren gut und verweisen gerne auf ihre Quellen zurück. Durch gemeinschaftliches Bloggen kann sogar so etwas wie eine mini-Redaktion entstehen.

    Doch die Zurückhaltung mancher Wissenschaftler hat natürlich auch ihre Gründe. Zum einen halten sie die Qualitätssicherung hoch und pflegen ein kritisches Selbstverständnis gegenüber sich selbst und Kollegen. Zum anderen sind sie ja bereits Schreibende und haben oft schon einen sehr gepflegten Stil, der allerdings nicht unbedingt einer breiten Masse zugänglich ist. Obwohl das alles in meinen Augen seine Berechtigung hat, finde ich es schade, dass das neue Medium nicht genutzt wird, um einmal ein bisschen von dieser Bedachtheit aufzugeben und sich der eigenen Begeisterung für das Thema hinzugeben, denn so könnte dieses vielleicht auch für neue Lesergruppen zugänglich werden. Mein Lieblingsbeispiel für diese Art wissenschaftlichen Bloggens ist Henry Jenkins „Confessions of an Aca Fan“ (http://henryjenkins.org/).

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