Schlagwort Archiv: digitale Literaturwissenschaft

Link-Tipp: Franco Moretti liest an der Uni Konstanz über digitale Literaturwissenschaft

Eigentlich wollte ich diesen Link schon längst mit euch geteilt haben, gemeinsam mit einem Kommentar zu der Vorlesung. Aber wie das so häufig ist, rutschen Dinge, die man besonders gern tun möchte ganz nach hinten auf die To-Do-Liste. So habe ich also die Vorlesung noch immer nicht selbst angesehen. Für alle, die sowieso lieber gleich die ganze Vorlesung anschauen möchten und keinen Kommentar brauchen, kommt hier also nun endlich der Link. Für alle anderen folgt demnächst ein Kommentar.

Tutorial: Wie ich CATMA und Stanford NER zusammen nutze

Ich gebe zu, dass wahrscheinlich 10% meiner Liebe zu dem Tool CATMA (Computer Aided Textual Markup and Analysis) nur daher stammt, dass es von meinen Kollegen in Hamburg entwickelt wird, die niemals müde zu werden scheinen, wenn Nutzer wie ich immer neue Funktionalitäten haben wollen. Aber so bleiben immer noch 90%, die daher rühren, dass dieses Programm inzwischen eine große Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten bietet, sodass ich immer wieder dazu zurückkehre, selbst, wenn ich mir mal vornehme, einen anderen Weg zu gehen. So geschah es also auch als ich nach Weiterverwendungsmöglichkeiten für meine NER (Named Entity Recognition – mehr darüber hier) Ergebnisse suchte. Als jetzt im neuen CATMA-Release auch noch eine Funktion zur xml Erkennung freigeschaltet wurde, wurde das Ganze sogar noch einmal einfacher.

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Nur ein witziger Zufall oder ein Fingerzeig auf unsere westliche Gesellschaft?

Jeder weiß, dass es nicht wirklich einen Zusammenhang zwischen steigender Anzahl von Störchen und Geburten gibt. Trotzdem beruht dieses Ammenmärchen angeblich auf einer schlecht interpretierten Statistik, die genau so eine positive Korrelation zeigt. Um es kurz zu machen: Ich stolperte gerade über eine Visualisierung, die mich sehr stark an meine eigene erinnerte. Sie zeigt alle Beziehungen zwischen Facebook-Freunden, während meine Ortsnennungen in Romanen aus Hamburg abbildet (und nebenbei bemerkt der neue Header dieses Blogs ist). Nun frage ich mich, ob diese Ähnlichkeit schierer Zufall – eine Storch bringt Baby Geschichte – ist, oder uns einen Himweis über unsere Kultur gibt.

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Das Känguru und ich oder ich und das Känguru

„Was an dem Buch hat Ihnen denn gefallen?“, frage ich. „Also, das Känguru fand ich echt witzig“, sagt die Frau, „aber diese andere Figur…“ „Ja?“ „…dieser Kleingärtner…“ „Kleinkünstler.“ „Ja. Der hat irgendwie genervt.“

Solche und ähnliche Dialoge streut Marc-Uwe Kling gerne einmal selbstironisch in die Fortsetzungsbände seiner Känguru-Chroniken. Doch wenn es den vielen Lesern seiner Bücher tatsächlich so ergehen würde, würden sie sich wohl kaum derartig mitreißen lassen, denn eine computergestützte Analyse zeigt, dass die Texte wohl ebenso sehr um „den Kleinkünstler“ kreisen wie um „sein“ Känguru.

In my last post, I bored you with a German text about a guy living together with a kangaroo. As the book ist still not translated into English (or to any other language), I decided not to do that again and that’s why I did not rewrite this article in English. Should there be anyone out there to whom a translation does not sound irrelevant, just drop a comment and I will start working on it. (mehr …)

Kängurus jagen mit Rolling Delta

Ein Känguru geht um in Europa. Und in meinem Freundeskreis. Und in meinem Herzen, wenn ich ehrlich bin. Zum Glück wohnt es mit einem Kleinkünstler namens Marc-Uwe Kling zusammen, der sich als Chronist seines aufwühlenden Lebens bereitstellt. Gerade diesen Mitbewohner sah ich neulich mit ein paar Kollegen bei einer Lesung auftreten. Kollegen, die – so schien es – sich teils in seinem Ruhm sonnten und teils zu eigenem gelangen wollten. Eine kurze Nachbereitungsrecherche ergab, dass Herr Kling auch gern mit seinen Kollegen zusammen Bücher veröffentlicht. Was also liegt für eine Digital Humanista nun näher, als mit einer kurzen Stilanalyse zu prüfen, wie ähnlich sich die Mitglieder dieser Berliner Schreibstube wohl wirklich sind.
Since weeks and months an I guess even years there are three audiobooks on the German bestselling list: chronicles of a kangaroo 1-3. I am very sorry to say that it is not transleated into English (yet?). However, one should never say never and maybe this post will be relevant to an Englisch speaking audience one day, so here it is:

First of all I have to admit, that I am quite fond of the kangaroo and so are my friends and so is, I guess, a huge part of the German reading community. So when I had the opportunity to go to a reading of Marc-Uwe Kling and some colleagues of his, I took it. What I saw there on stage were four youg writers, three of them more or less trying to catch a bit of Klings fame in one moment, trying to free themselves of it in order to find their own style in the next. Coming home with that experience in mind, it did not take me long to grap my computer and do a petite stylometric analysis in order to find out, who of the members of that staged-readings-cicle from Berlin comes closest to the writing of Marc-Uwe Kling.

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Distant Reading: Wie viel Distanz zum Text ist gesund?

In seinem Buch „Distant Reading“, dass ich vor kurzem hier vorgestellt habe, behauptet Franco Moretti bewusst provokant, es würde nichts nützen, immer mehr zu lesen. Statt dessen müssten Literaturwissenschaftler endlich die Kunst des nicht-Lesens erlernen. Dieser Satz hat mich nicht lange erschüttert und schnell begeistert. Ja, das nicht-Lesen war es, dass ich in meiner Doktorarbeit auch betreiben wollte. Jetzt habe ich ein erstes Distant-Reading Tool ausprobiert und möchte kurz zurückschauen, welche Ungenauigkeiten man in Kauf nehmen muss, wenn man damit arbeiten möchte. Dazu habe ich einen Text zuerst in einem Mittelweg zwischen Close und Distant Reading locker nebenbei gelesen und alle Ortsnamen, die mir aufgefallen sind, in eine Tabelle geschrieben. Danach habe ich den gleichen Text mit dem Stanford Named Entity Recognizer analysiert. Zu guter Letzt habe ich dann den Text noch einmal sogfältig mit CATMA getaggt. Die Ergebnisse dieses close- gegen not too close und distant reading möchte ich in diesem Post mit euch teilen.

Franco Moretti has stated in his book „Distant Reading“ that we should start to learn how not to read. Despite the provoking undertone this was a phrase that cought me directly and I definitely wanted to start learning how not to read. Now that I tried to use a first distant reading tool on  literary texts, I would like to reflect a little on the pros and cons of distant reading. Therefore I tried first to read a text rather fast and not too closely, then I let the same text be read by the Stanford Named Entity Recognizer and finally close read the text and tagged it with CATMA. Now I want to share my experiences with you.

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Tutorial: Wie ich Stanford NER mit deutschen Classifiern installiere und nutze

Ich habe ein paar Stunden, wenn nicht gar Tage, damit verbracht, den Stanford NER (Named Entity Recognizer) zum Laufen zu bringen und das, obwohl es eigentlich ganz einfach ist. Damit euch das nicht passieren kann, schreibe ich diese Anleitung für Geisteswissenschaftler, die gerne digitale Tools nutzen möchten, sich aber noch nicht allzu viel mit Programmierung auseinandergesetzt haben. In fünf einfachen Schritten gelangst du hier also zu einem getaggten Text – auf Englisch oder Deutsch.

I spend a few hours – maybe even days – to find out how to run the Stanford NER (Named Entity Recognizer) on my computer, although it is actually very easy. As I think this is due to a dramatic lack of simple NER tutorials, I decided to write one for this blog. So this is to all the humanists who did not yet take the chance to have a closer look at programming issues and, nevertheless, want to use the Stanford NER – be it in English or in German (or others).

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Weil wir es können – Ideen zu Matthew L. Jockers‘ „Macroanalysis“

20140501-193251.jpgVor kurzem fragte ein Digital Humanist über den Humanists Listserver, welche zwei Bücher man empfehlen könne, um einen Überblick über das zu geben, was die digitalen Geisteswissenschaften in der Analyse von Literatur leisten können. Ein Kollege empfahl „Macroanalysis“ von Matthew L. Jockers, ein Buch, das auch schon seit ein paar Tagen auf meinem Couchtisch bereit lag. Nun, da ich es durchgelesen habe, bin ich gleichzeitig angetan und enttäuscht. Jockers entfacht zwar ein ganzes Feuerwerk von Methoden, antwortet aber nur selten auf die Frage, was wir am Ende eigentlich wissen, wenn wir fleißig möglichst große Ergebniskonvolute gesammelt und ausgewertet haben.

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Lektüre: Franco Morettis „Distant Reading“ von Nahem

Verso 978 1 78168 084 1 Distant Reading (CMYK-300dpi)Wenn es einen Nobelpreis für Literaturwissenschaftler gäbe, so hätte Franco Moretti ihn schon allein dafür verdient, den Begriff des „Distant Reading“ eingeführt zu haben. Doch obwohl dies der innovativste methodische Ansatz ist, den die Literaturwissenschaft im Moment vorzuweisen hat, zeigt Moretti auch, dass hier gerade die ersten Gehversuche in einem Feld gemacht werden, das noch nicht klar konturiert ist und dessen wissenschaftliche Parameter noch auf dem Prüfstand stehen. In seinem neuen Buch „Distant Reading“ hat er all die Aufsätze zusammengestellt, die zur Prägung des Begriffes führten und die genau diese ersten Gehversuche dokumentieren. Damit gelingt es ihm gleichzeitig, seine Leser zu begeistern und zum kritischen Überprüfen der Methode anzuregen.

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